Neue EU-Roamingregeln und ihre Bedeutung für Besucher-Apps

Surfen im Internet oder der Download einer App im Ausland – für Touristen mit ausländischen Mobilfunkverträgen war das bisher ein kostspieliges Unterfangen.

Lange wurde sie auf den Weg gebracht: die Abschaffung der Aufschläge beim Telefonieren und Surfen im EU-Ausland. Ab dem 15. Juni 2017 soll nun Schluss sein mit den Gebühren, die mittlerweile jeder unter dem Namen „Roaming-Gebühren“ kennt. Mit Roaming kamen die meisten Menschen in Verbindung, wenn es um Anrufe und mobiles Internet im Urlaub ging. Streng genommen bezeichnet der Begriff die Nutzung des Handynetzes im Ausland. Die damit verbundenen Aufschläge sind in den letzten Monaten und Jahren immer weiter reduziert worden. Nun sollen sie in Gänze wegfallen.

Übergangsweise dürfen Anrufe aus dem EU-Ausland maximal 19 Cent pro Minute, SMS maximal 6 Cent und die Internetnutzung nicht mehr als 20 Cent pro Megabyte kosten. Die Abschaffung der Roaming-Aufschläge drückt die Preise für Anrufe nun auf maximal 5 Cent pro Minute (eingehende Anrufe maximal 1,14 Cent). Textnachrichten dürfen ab 15. Juni maximal 2 Cent kosten, die Regelung für die Internetnutzung sieht noch maximal 5 Cent pro Megabyte (oder 50 Euro pro Gigabyte) vor. Doch was bedeuten die Änderungen nun für die Anbieter von Besucher-Apps im kulturellen Bereich?

Roaming und Besucher-Apps

Für den Download einer musealen oder touristischen Applikation wird eine mobile Datenverbindung benötigt. Beispielsweise müssen bei integrierten Audioguides Sprachpakete und Medien heruntergeladen werden. Für deutsche Urlauber im Inland ist das kein Problem: Viele Mobilfunkverträge bieten schon lange Flatrates mit überaus leistungsfähigen Verbindungsgeschwindigkeiten an. Nun fallen zusätzliche Gebühren für die mobile Datennutzung also auch bei Besuchern mit einem anderen EU-Heimatnetz weg. Doch verlagert dies die Organisation des Downloads einer Besucher-App gänzlich auf die Seite des Nutzers?

Vorteile mit Einschränkungen

Mehr Informationen über WiFi Access Points erhalten Sie hier.

Nein. Viele Museen, Touristinformationen und Sehenswürdigkeiten bieten schon heute kostenloses WLAN an. Aus gutem Grund! Zum einen besteht ein internationales Publikum nicht ausschließlich aus EU-Bürgern mit den entsprechenden Handyverträgen. Einem chinesischen Besucher nutzt der Wegfall der Roaming-Gebühren für den Download einer Museums-App beispielsweise nichts. App-Nutzer aus dem außereuropäischen Ausland sind daher auf die Bereitstellung einer WiFi-Verbindung angewiesen. Zum anderen beinhalten die meisten touristischen Apps größere Datenmengen. Audiokommentare, Videos und interaktives Kartenmaterial werden zwar nur in der gewählten Sprache heruntergeladen, jedoch ist selbst das mit größeren Datenpaketen verbunden. Auch Nutzer des Heimatnetzes müssten für den Download also viel Zeit aufbringen. Daher ist die Bereitstellung eines WiFi Access Points wärmstens zu empfehlen.

Nicht gänzlich außer Acht zu lassen sind auch diverse App-Features. Die Umsetzung einiger besonderer Funktionen bedarf einer permanenten mobilen Datenverbindung vor Ort, welche durch einen solchen Access Point für alle Besucher gleichermaßen stabil angeboten werden kann.  Um die Downloadzeit für Besucher komplett wegfallen zu lassen, können alternativ auch Multimediaguides ausgegeben werden. Besucher ohne eigenes Smartphone können so die vorinstallierte Applikation benutzen. Ein Multimediaguide kann in der Regel auch offline arbeiten.

Eine Einschränkung der neuen Roaming-Regelung betrifft außerdem deren Anwendung selbst: Die so genannte 90-Tage-Regel stellt sicher, dass Urlauber und Geschäftsreisende von der Anwendung profitieren. Ein dauerhafter Wegfall der Gebühren bei längeren Auslandsaufenthalten ist jedoch nicht möglich. Zudem muss erwähnt werden, dass die Aufschläge tatsächlich nur dann entfallen, wenn sich der Nutzer im Ausland befindet und beispielsweise nach Hause telefoniert. Gespräche aus dem Heimatnetz ins Ausland können nach wie vor ein eher kostspieliges Unterfangen sein.